Praxisbeispiel tiergestützte Intervention

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                       Institut Hund-Mensch-Beziehung Sachsen

Hundgestützte Intervention im Strafvollzug:
„Mopsfidel und Pudelwohl“ – ein Pilotprojekt der JVA Dresden

Ein Praxisbericht von Lena Scheidig

Dass Tiere auf das Wohlbefinden und die Gesundheit eine positive Wirkung haben ist unbestritten und wird seit einigen Jahren in verschiedenen Projekten und Studien zunehmend untersucht. Der Kontakt zu Tieren bewirkt beim Menschen unterschiedliche positive soziale, physische und psychische Effekte, die es noch hinreichend nachzuweisen gilt.

In der JVA Dresden wurde für das Jahr 2017 ein zwölfmonatiges Pilotprojekt für männliche Strafgefangene mit einer langen Haftzeit ins Leben gerufen: Von Januar bis Dezember sind dort einmal wöchentlich abwechselnd zwei zertifizierte Therapiebegleithunde-Teams für eineinhalb Stunden im Einsatz (Polli Hornung mit Brezel und Lena Scheidig mit Tarana). Das Projekt wird von der Sozialpädagogik der TU Dresden begleitet und durch eine Evaluation soll die Erreichung der formulierten Ziele geprüft werden.

Die tiergestützte Intervention in der JVA Dresden verfolgt für die Gefangenen vier zentrale Zielstellungen, nämlich die Steigerung des emotionalen Wohlbefindens, die Förderung von Interaktion und Kommunikation, die Verbesserung sozialer Kompetenzen sowie die Aktivierung und Förderung der Mitarbeitsbereitschaft. Im Zentrum steht also sowohl das individuelle Befinden als auch Effekte auf interaktioneller Ebene, das heißt die Förderung sozialer Kompetenzen, die bei vielen Gefangenen nach einer langen Haftzeit einer Regeneration bedürfen.

Von Anfang an verlief der Kontakt zwischen den Therapiebegleithunde-Teams und den fünf Teilnehmern sehr positiv und unkomplizierter als erwartet. Die Teilnehmer zeigten sich den Hunden gegenüber sehr liebevoll und empathisch und auch die Hunde traten den Teilnehmern „unvoreingenommen“ gegenüber. Die beiden sind von ihrem Wesen sehr unterschiedlich, was sich auf die Maßnahme positiv auswirkt, da sie die Teilnehmer in unterschiedlichen Bereichen aktivieren können: Brezel ist eine fünfjährige Golden-Retriever-Hündin und Tarana ein kleiner dreijähriger Dackel-Terrier-Mischling. Auch wenn einige der Teilnehmer bei einer Evaluation geäußert haben, dass sie sich im Projekt auch stärkere Hunderassen wünschen würden (etwa einen Schäferhund oder Rottweiler), haben alle in kürzester Zeit eine gute Beziehung zu beiden Hündinnen aufgebaut.

Obwohl für die Hunde die Eindrücke in der JVA anstrengend sein müssen, freuen sie sich immer sichtlich beim Zusammentreffen mit den Teilnehmern und führen mitunter regelrechte Freudentänze auf. Die Tiere müssen zuerst durch lange, hallende Gefängnisgänge laufen, wo sie auch auf andere Gefangene und Bedienstete treffen. In den Einheiten werden Brezel und Tarana dann ausführlich gestreichelt und gekrault, was sowohl für die Teilnehmer als auch für die Hunde das Highlight zu sein scheint. In den ersten Monaten haben die Fachkräfte in Absprache mit den Teilnehmern verschiedene Theorieeinheiten zu Themen wie Hundesprache, Lernverhalten oder Signalaufbau vorbereitet. Daneben gibt es bei jedem Treffen mehrere kleine Gruppenübungen, welche die Zusammenarbeit, Empathiefähigkeit und verschiedene soziale Kompetenzen ansprechen sollen: Zum Beispiel die Weitergabe eines Leckerchens im Kreis mit unterschiedlichen Instrumenten (Besteck, Kochlöffel, Essstäbchen, ...) oder Tarana klettert bei den Teilnehmern von Schoß zu Schoß. Besonders das Blindenhund-Spiel erfordert eine hohe Vertrauensbereitschaft der Teilnehmer zum Tier wie auch untereinander, bei dem sich einer mit verbundenen Augen vom Hund führen lässt, der wiederum von einem anderen gelockt wird. Die Bereitschaft der Gefangenen sich auf solche „Spielchen“ einzulassen ist nicht selbstverständlich, dennoch bedarf es meistens keiner hohen Überredungskunst seitens der Fachberaterinnen.

Über die zweite Hälfte des Jahres werden die Teilnehmer mit den Hunden „Einzelzielsetzungen“ einüben, die sie sich selbst überlegt haben, wie zum Beispiel verschiedene Kommandos oder Tricks einstudieren oder einen Agility-Parcours.

Die Bediensteten der JVA haben den Fachberaterinnen gegenüber schon häufig geäußert, dass sie die Gefangenen manchmal gar nicht wiedererkennen. Der Umgang der Teilnehmer untereinander ist zunehmend freundschaftlich geworden, die Stimmung während der Einheiten ist immer entspannt und es wird viel gewitzelt und gelacht. Namentlich bei einem Teilnehmer scheint sich auch schon außerhalb der Maßnahme ein „messbarer“ Effekt abzuzeichnen: Nachdem er sechs Jahre lang die Zusammenarbeit mit seinem Psychologen verweigert hat, ist er nun offenbar zunehmend gesprächsbereiter und der Psychologe macht seine Termine mit ihm nur noch nach dem wöchentlichen Hundebesuch.

Inwiefern die Zielstellungen der Maßnahme über einen längeren Zeitraum erreicht werden können und vor allem, ob in den sozialen Kompetenzen, welche die langstrafigen Gefangenen innerhalb der Einheiten ganz eindeutig aufweisen können, auch außerhalb der Maßnahme eine langfristige Verbesserung eintritt, wird sich zeigen. Fest steht, dass der wöchentliche Hundebesuch dem individuellen emotionalen Wohlbefinden der Gefangenen gut tut und auch für die Hunde sichtlich eine Freude ist.  

 

 

 

 

 

 

"Besonderheiten in der Kommunikation zwischen Mensch und Hund"

 Auszug aus der Belegarbeit von Frau Lena Scheidig (mit Hündin Tarana)

 

 

Zusammenfassendes Fazit: Der Hund als Kommunikationshelfer

„Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund.“ [Hildegard von Bingen]

...
All diese Beispiele veranschaulichen meines Erachtens die höchst positive und fördernde Wirkung
der Besonderheiten der zwischenartlichen Kommunikation von Mensch und Hund sehr deutlich.
Sogar (oder vielleicht gerade) bei einem Menschen mit Asperger-Autismus (einer Diagnose, die
dem Patienten/ der Patientin eine Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung mit
entsprechenden Entwicklungseinschränkungen im Kommunikationsverhalten zuschreibt), der
zusätzlich ausgesprochene Angst vor Hunden hat, konnten innerhalb kürzester Zeit im Kontakt mit
Tarana überzeugende Fortschritte und eine sehr positive Wirkungen beobachtet werden. Aus meiner
Sicht war die Interaktion zwischen dem Klienten und dem Hund so unkompliziert, dass für mich
mitunter weder die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) noch die Angst überhaupt erkennbar waren. Dies
sind natürlich lediglich Momentaufnahmen. Es ist meiner Meinung nach schwierig, die positive
Wirkung der Tiergestützten Intervention nachzuweisen, da sie sich zu einem großen Teil auf den
sozioemotionalen Bereich auswirkt und das allgemeine Wohlbefinden des Menschen betrifft.
Darüber dauerhaft messbare Aussagen zu treffen ist wahrscheinlich schwer möglich. Jedoch konnte
ich in eben diesen Momenten im Kommunikationsverhalten des Klienten kaum Defizite ausmachen
– ob das an der Anwesenheit des Hundes lag, kann ich leider nicht beurteilen, da ich ihn nicht gut
genug kenne bzw. nur einmal ohne den Hund erlebt habe. Unbestritten ist aber die große Freude, die
ihm unsere Treffen bereitet haben. Ein Ergebnis, dass gerade in der kurzen Zeit (es gab nur drei
Begegnungen mit Tarana) insbesondere im Hinblick auf seine Hundeangst als äußerst positiv
gewertet werden kann.
Obwohl Menschen und Hunde in ihrem kommunikativen Verhalten einerseits sehr unterschiedlich
sind, weisen sie auch gewisse Ähnlichkeiten auf, wie beispielsweise der ungarischen
Verhaltensbiologe József Topál hat 2011 in einer Studie aufgezeigt hat (Dogs' Gaze Following Is
Tuned to Human Communicative Signals veröffentlicht in Current Biology26). Hunde reagieren auf
die gleichen kommunikativen Signale wie Säuglinge und Kinder im Alter von sechs Monaten bis
zwei Jahren. Sie folgen ähnlich wie Kinder den Gesten und Blicken des Menschen nachdem sie
vorher (am besten mit einer hohen Stimme) angesprochen und Blickkontakt hergestellt wurde.
Auch in der Zusammenarbeit mit Kindern mit ASS sind mir gewisse Ähnlichkeiten in den
Kommunikationsfähigkeiten und -bedürfnissen von Hunden und Menschen aufgefallen, so zum
Beispiel das Bedürfnis nach einem stabilen Partner, der Sicherheit bietet. Sowohl für einen Hund als
für einen autistischen Menschen ist es als Basis einer erfolgreichen Kommunikation sehr wichtig
(bzw. förderlich), einen (Kommunikations-)Partner zu haben, der sich klar ausdrückt und dadurch
eine gewisse Verlässlichkeit vermittelt. Für die Tiergestützte Intervention und therapeutische
Maßnahmen in dieser Kombination stellt dieses gemeinsame Bedürfnis meines Erachtens einen
beachtlichen Vorteil dar.
Ferner haben Menschen mit ASS Schwierigkeiten, Blickkontakt aufzubauen oder ihm standzuhalten
und es ist ihnen in der Regel unangenehm, jemandem in die Augen zu schauen. Auch Hunde halten
nicht gerne länger Blickkontakt, da dies in ihrer innerartlichen Kommunikation eine Drohgebärde
darstellt (Drohfixieren).
Insbesondere an meinem eigenen Hund Tarana sind mir weiterhin Ähnlichkeiten bezüglich der
Bedürfnisse im Bereich von Nähe und Distanz aufgefallen: Menschen mit ASS mögen nicht gerne
von Fremden oder Unbekannten berührt werden und können schwer mit der Unterschreitung ihrer
Individualdistanz umgehen. Auch Tarana weicht den Berührungen von fremden Menschen mitunter
aus und kommuniziert gegenüber anderen Hunden deutlich, wenn diese ihre Individualdistanz
unterschreiten. Auch dies stellt in der Hundgestützten Intervention mit Menschen mit ASS eine
günstige Grundlage dar, ihnen das Gefühl zu vermitteln, in dem Hund einen Verbündeten oder
Vertrauten zu haben, der Verständnis für ihre eigenen Bedürfnisse hat.
In der tiergestützten Intervention mit Menschen mit ASS dient der Hund somit in verschiedener
Hinsicht als Kommunikationshelfer: Er kann im Bereich der Angst und Unsicherheit vor
unbekannten Situationen unterstützend wirken und ein Gefühl der Sicherheit vermitteln oder als
Verbündeter erscheinen. Ferner stimuliert er die Kommunikation auf der Ebene der Sprache
generell und insbesondere für den Förderbereich der nonverbalen Kommunikation ist er hilfreich.
Der Hund spiegelt dem Menschen sein Verhalten direkt wider, da er unmittelbar in Bezug auf die
Situation (bzw. Körpersignale) reagiert. Nicht zuletzt erlebt der Mensch im Kontakt mit dem Hund
seine eigene Selbstwirksamkeit, was wiederum zur einer Stärkung des Selbstbewusstseins beiträgt
und in jedem Fall nachweislich eine große Freude bereitet.

...

 

Bei Interesse kann die gesamte Arbeit am Institut eingesehen werden werden

 

Auszüge aus der Belegarbeit von Frau Polli Hornung (mit Hündin Brezel)

"Tiergestützte Intervention bei frühgeborenen Kindern (sog. Frühchen) im Kleinkind- und Vorschulalter"

 

... Diskussion

I. Was spricht für den Einsatz der TGI bei frühgeborenen Kindern

 

Eine positive Beziehung zu den engen Bezugspersonen ist meines Erachtens die Grundvoraussetzung für die Entwicklung von Kindern. Nähe, Liebe und Geborgenheit sind zum Aufbau einer Beziehung neben einer gut funktionierenden Kommunikation und Interaktion von entscheidender Bedeutung. Nur wer "eine gemeinsame Sprache" spricht, kann sich abstimmen und hat eine Basis für den Aufbau einer stabilen, belastbaren Beziehung.

Tiergestützte Intervention mit einem Hund kann ein wirksamer Ansatz zu einer positiven Beziehungsgestaltung für das ganze Familiensystem sein.

 

Die Anwesenheit eines ausgebildeten Hundes in der Familie wirkt entspannend, kann Grenzen auflösen und entkrampfen. Er erleichtert den Austausch und die Kommunikation untereinander.

 

 

Eltern von Kindern mit "Entwicklungsverzögerungen" können aufgrund zahlreichen Belastungen, Sorgen und Nöte, die ihren Alltag begleiten und beeinflussen unausgeglichen und überfordert sein oder Schwierigkeiten haben, zur Ruhe zu kommen.

Andere Familienmitglieder kommen so auch in den "Genuss" eines Kontaktes mit dem Therapiebegleithund. So bekommt auch der "Rest" der Familie ein wertschätzendes Gefühl, der Hund nimmt auch diese an, wie sie sind.

Ihm ist egal ob Eltern "Fehler" machen, unausgeglichen sind oder Geschwisterkinder vielleicht "eifersüchtig" (auf die vermehrte Aufmerksamkeit, die Kindern mit Entwicklungsverzögerungen oftmals bekommen) sind. Der Therapiebegleithund wird trotzdem, vielleicht sogar deswegen Kontakt suchen und ihnen ebenfalls positive Erlebnisse ermöglichen.

 

In der Gesellschaft von Hunden entstehen Gefühle von Nähe und Geborgenheit. Hunde stellen keine Bedingungen oder Erwartungen  und haben keine Vorurteile.

Hunde spüren, wem der Kontakt gut tut und wenden sich deshalb oft diesen Kindern und Familien zu.

Das Kind kann sich so zeigen und geben, wie es ist und Gefühle müssen nicht versteckt werden. Hunde geben Kindern Selbstvertrauen; sie werden von ihm akzeptiert wie sie sind.

 

Der Einsatz von TGI in der Entwicklungsförderung lässt sich nicht auf einen Bereich reduzieren, sondern er spricht die ganzheitliche Förderung der Kinder an.

Die zahlreichen positiven Wirkfaktoren bedingen und beeinflussen sich gegenseitig und entwickeln so eine ganz eigene, spezifische, positive Dynamik und bilden die Basis für die soziale Integration und ganzheitliche Entwicklung des Kindes. Ein Beispiel dafür ist die einzigartige Möglichkeit der Förderung sozio-emotionalen Kompetenzen über die nonverbale Kommunikation und durch das sofortige und ehrliche Spiegeln und Reagieren des Hundes.

 

Die wichtigsten Faktoren, die meiner Meinung nach am nachhaltigsten und effektivsten zum Tragen kommen, sind:

 

  • Förderung der Kommunikation und Interaktion, u.a. durch die klare und authentische analoge Kommunikation
  • Kontakt zu Hunden führt zu "sprachlicher Gelassenheit", Erwartungsdruck fällt von den Kindern ab und sie reagieren auf die Aktionen des Hundes mit eigener Interaktion und Kommunikation, die sich in den unterschiedlichsten Formen zeigen kann
  • Förderung von sozio-emotionalen Kompetenzen wie Steigerung von Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit, Selbstwertgefühl, Beachten und Einhalten von Grenzen und Regeln sowie Rücksichtnahme, Wertschätzung und Bindungsfähigkeit
  • dierektes "Ansprechen" der Emotionen
  • Anregung zur Eigenaktivität und Übernahme von Verantwortung
  • Möglichkeit zur Schulung und Differenzierung der Wahrnehmung
  • Förderung von kognitiven Komponenten wie Konzentration, Ausdauer und Aufmerksamkeit
  • hoher Aufforderungscharakter und Motivation durch gemeinsames positives Erleben, Spass an der Interaktion und dem Kontakt mit dem Hund (Anreiz und Motivation, sich zu bewegen, Kontakt herzustellen und mit der Umwelt zu interagieren)

 

"Wichtig ist, dass die Therapie den Kindern Spass macht. Spass bringt Motivation und Motivation erleichtert das Durchhalten und die Bereitschaft, hart an sich zu arbeiten, was wiederum eine wesentliche Voraussetzung für den Therapieerfolg ist." ( Verbandsmagazin Frühgeborene vom 15.06.2011, Vorwort von H.-J. Wirthl, Vorstandsvorsitzender des Bundesverband "Das frühgeborene Kind" e.V.)

 

2. Auszug

aus: Tiergestützte Intervention bei frühgeborenen Kindern (sog. Frühchen im Kleinkind- und Vorschulalter)
Abschlussarbeit von Polly Hornung zur Erlangung der Zusatzbezeichnung „Fachmentor für tiergestützte Intervention (Hund)“

„Ein frühes Überleben hat seinen Preis. Nicht immer gelingt es, die Frühchen gesund und stark ins Leben zu schicken“, so der Entwicklungspsychologe Prof. Dieter Wolke von der University of Warwick.
Unterschiedlichste Studien zeigen, dass die mangelhafte Entwicklung des Gehirns bei einem Teil der Kinder kaum mehr aufzuholen scheint. Jedoch, und das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis, hilft v.a. eine gezielte Förderung.
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Kinder beginnen, im Vorschulalter sich als eigenständige Person wahrzunehmen. In diesem Alter wird begonnen, Zusammenhänge zu erfassen, Regeln zu verstehen und zu befolgen. Gefühlszustände und -äußerungen anderer werden nach und nach bewusst und es kann darauf reagiert werden. Hier kann der Hund als konkreter, sofortiger Übermittler und Spiegel von Gefühlszuständen als „Übungsobjekt“ dienen, das immerwieder wertfrei den Kontakt sucht und auf die Kinder zugeht.

Dr. Nina Gawehn, Psychologin im Sozialpädiatrischen Zentrum/Neuropädiatrie, Klinikum Dortmund GmbH und Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie in Bochum betont „Frühgeborene mit Aufmerksamkeitsstörungen sollten eine spezifische und individuelle Aufmerksamkeitsförderung erhalten …“ …und „Die Vielfalt der möglichen Folgen macht eine ganzheitliche Betrachtungsweise der Entwicklung Frühgeborener notwendig“.
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Der Kontakt mit einem ausgebildeten Therapiebegleithund bietet die Möglichkeit, gleichzeitig und effektiv an mehreren entscheidenden Komponenten wie: Aufmerksamkeit und Konzentration, Motivation und Spielausdauer, Schulung sozialer Kompetenzen und gezielte Körperwahrnehmung sowie dem Vermitteln von Entspannungstechniken zu arbeiten.
Tiergestützte Intervention bei Frühchen entspricht den Grundprinzipien der Frühförderung. Sie fördert das Kind ganzheitlich, orientiert sich sehr stark an der Familie, verhilft durch Stärkung der Kommunikation und Interaktion und der damit verbundenen Förderung der sozial-emotionalen Beziehungen der Kinder und hilft Ihnen somit, sich sozial zu integrieren.
Wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz eines Mensch-Hund-Teams ist, dass das Kind sich wohl fühlt und sein Umfeld gut beraten und betreut wird. Gemeinsame Ziele sollten schriftlich vereinbart und regelmäßig überprüft werden.
Kinder sollten die Möglichkeit haben, mit Tieren aufzuwachsen. Dafür ist es nicht notwendig, dass sich jede Familie ein eigenes Haustier anschaffen muss, sondern, dass den Kindern Zugang und Kontakt zu Tieren ermöglicht wird.
Die tiergestützte Intervention ist ein ganzheitlicher Ansatz, bei dem gezielt Mensch-Tier- und Mensch-Mensch-Interaktionen herbeigeführt werden können und der die Ressourcen stärkt.

Allgemein Einsatz der TGI in der Arbeit mit Frühchen

Wie in den Grundlagen festgestellt, ist der Einsatz von Tieren in der Frühförderung allgemein nicht üblich.
Nur sehr selten findet man dieses methodische Angebot in den Frühförderstellen oder SPZs.

Daher liegt es in den Händen der Eltern, wenn sie die TGI als sinnvolle Ergänzung zum Angebot der „institutionellen“ Frühförderung in Betracht ziehen, sich auf die Suche nach einem entsprechenden Anbieter zu machen.
Die momentanen Angebote zur Nachbetreuung von Frühchen konzentrieren sich größtenteils auf die körperliche Entwicklung des Kindes, selten auf die psychische und psychosoziale Situation der Eltern und auf die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung und die Allgemeinsituation des gesamten Familiensystems.
Die Eltern-Kind-Beziehung ist (laut von der Wense und Bindet) der entscheidende Faktor für die seelische Gesundheit und soziale Integration des frühgeborenen Kindes.

1 Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/voegelchen-flieg.740.de.html?dram:article_id=111837
2 Quelle: http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2009/msg00172.htm

  ardeche2015 248

Bei Interesse kann die gesamte Arbeit am Institut eingesehen werden werden

 

 

 

 

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